Heimathafen

 Haus Meer

Büderich

Die erste Erwähnung Büderichs ist in einer datierten Urkunde des Stiftes Kaiserswerth 1166 als Budreke enthalten. Ausgrabungen belegen allerdings, dass der Raum Büderich bereits in römischer Zeit besiedelt war.

Die Römerstrasse beruht tatsächlich auf die Römer. Sie benötigten eine Fernverkehrsstraße welche von Köln über Neuss und Niederkassel kommend durch Büderich am Haus Meer vorbei entlang von Strümp und Lank bis zum Kastell Gelduba (heute Gellep) weiter bis Xanten führte.

Im Jahre 13 v. Chr. wurde die Straße zum Aufmarschraum römischer Legionen. Kaiser Augustus befahl von hier den Angriff über den Rhein.

Diese Heerstraße kann von vielen Schicksalen erzählen. Im Jahr 9 n. Chr. flohen die Reste der geschlagenen Varus Legion und 60 Jahre später wurden zwei römische Legionen ca. 8000 Mann welche von Köln nach Xanten verlegt werden sollten hier von germanischen Batavern gestellt und fast vernichtet.

Unweit von Lank ist das größte zusammenhängende Gräberfeld (Pirling) der Völkerwanderungszeit aus ganz Europa zu finden.

Im ehemaligen Gemeindegebiet Büderichs lassen sich mehrere Adelshöfe nachweisen. Der Dyckhof am Kreuzweg in Niederdonk (heute ein empfehlenswertes Restaurant mit Hotel) lässt heute noch den ursprünglichen Charakter einer Wasserburg erkennen. Auch bei dem im Westen an der Schakumer Straße gelegenen Adelssitz Haus Schackum blieben die Reste der zur Wasserburg gehörenden Gräben noch ersichtlich.

1373

Der Lindenhof ( Dorfstrasse ) wird erstmals erwähnt.

1632

Sind die ersten evangelischen Bürger auf Gut Dyckhof nachweisbar.

1789

Ein gewisser Fetzer, hat in Büderich, Osterath und Lank mit seinen Raub- und Mordgesellen sein Unwesen getrieben. In den Gerichtsakten ist festgehalten, daß er bei Plünderungen im Haus Schackum überrascht und festgenommen und wenige Tage später dem Henker übergeben wurde.  

1801

Alle Einwohner in Büderich, Osterath und Lank werden mit Namen, Geburtsort- und Tag und der Dauer ihrer Ortsansässigkeit eingetragen.

1809 Büderich übergibt Weißenberg an Neuss

1824

Die alte Schule Dückersstrasse ( Alter Kirchweg ) wird errichtet.

1863 04 06

Theodor Hellmich wurde geboren. Er war Hauptlehrer und Rektor in Lank und Büderich. Im Alter von 85 Jahren verstarb er am 30.04.1958. Die Verbindungsstrasse zwischen Dorfstrasse und Büdericher Allee wurde nach ihm benannt.

1898

Die Gaststätte Kastanie, ehemals Bahnstation wurde von der Rheinischen Bahngesellschaft gebaut.

1899

wurde die elektrische Kleinbahnstrecke Düsseldorf-Krefeld eröffnet, die besonders für Büderich eine günstige Verkehrsanbindung an die Gewerbestandorte in Düsseldorf brachte.

Einschneidend war die Errichtung des Stahlwerkes Böhler (Böhlerstraße/Mataréstraße) im Ersten Weltkrieg.

Das Rathaus wurde zu Beginn dieses Jahrhunderts errichtet.

1901

Die St. Mauritius Schule ist errichtet worden. ( Dorfstrasse )

1908

Freiherr von der Leyen, der Besitzer von Haus Meer, beantragte beim Büdericher Bürgermeister ganz in der Nähe seines Parks und Schlosses die Anlage einer 'Villenkolonie'. auf etwa 75 ha.

Breite Alleen wurden angelegt, die Villen sollten voneinander durch parkähnliche Gärten getrennt sein, zur Straßenseite war ein Vorgarten vorgeschrieben. Die einzelnen Grundstücke waren mindestens 1.500 m² groß. Die Siedlung sollte nach dem Willen seines Gründers in erster Linie dem Großbürgertum im Kaiserreich zu Gute kommen.

1909

Wurde der Vertrag mit der damaligen Gemeinde Büderich besiegelt, er verpflichtete sich zum Bau der Straßen und der Kanalisation, aber behielt sich auch ein gestalterisches Mitspracherecht für die Planung des Villenviertels vor.

1912

beantragte er bei der Landesregierung erfolgreich die offizielle Bezeichnung Gartenstadt Meererbusch  gerne auch Alt-Meererbusch  genannt für das Viertel.

Zur Siedlung sind auch zwei Häuser zu rechnen, die auf der anderen Seite der Rheinbahn, im Forsthausweg liegen. Das 2-geschossige Wohnhaus Forsthausweg 7 mit teilweise geschwungenem hohem Mansarddach war schon erbaut (1902), als es noch keine offiziellen Planungen für die Gartenstadt gab. Das Wohnhaus Forsthausweg 1, ein zweigeschossiges Steingebäude mit turmartig ausgebildeten Seitenteilen wurde im Rahmen der Gartenstadtplanung 1914 vom Architekten Breuhaus de Groot geplant.

Fritz August Breuhaus, ab 1928 auch Fritz August Breuhaus de Groot  war ein vor allem in Deutschland  tätiger Architekt, Innenarchitekt und Designer.

Ab 1907 lebte und arbeitete er in Düsseldorf sowie Meerbusch, damals begannen auch die Planungen zur „Gartenstadt Meererbusch“.

Für sich selbst baute Breuhaus de Groot  1910/11 die heute unter Denkmalschutz stehende Villa 'Eichenhof'

Bis 1914 folgte mindestens ein Dutzend weiterer Landhäuser auf dem Gartenstadt-Areal.
Die meisten von ihm in den Jahren 1909 bis 1913 geplanten und zum Teil auch ausgeführten Villen, darunter auch ein Wohnhaus für den Schauspieler Paul Henckels.

Paul Henckels wurde am 9. September 1885 in Hürth bei Köln als Sohn eines Industriellen geboren. Sein Vater Paul Abraham Henckels stammte aus der Solinger "Zwilling-Stahl"-Fabrikantenfamilie, hatte ein eigenes Unternehmen und betätigte sich auch als Kunstmaler, seine Mutter war die Schauspielerin Cäcilia Warszawska. Er wuchs zunächst in Köln auf, als der Solinger Betrieb des Vaters 1903 Konkurs anmelden musste, zog die Familie nach Düsseldorf. Henckels besuchte das Gymnasium bis zur so genannten "Mittleren Reife", machte anschließend eine Lehre in einer Lokomotivfabrik und in der väterlichen Stahlwaren-Handlung. Doch seine Leidenschaft galt dem Theater, folglich nahm er zunächst privaten Schauspielunterricht, machte ein Volontariat am Krefelder Stadttheater und ließ sich danach ab 1905 zwei Jahre lang von Louise Dumont und Gustav Lindemann an der Hochschule für Bühnenkunst in Düsseldorf weiter ausbilden. 1907 gab er sein Bühnendebüt als " Sperling" in Kotzebues Schauspiel "Die deutschen Kleinstädter". Einer seiner größten Bühnenerfolge wurde 1913 die Titelrolle in "Schneider Wibbel" von Hans Müller-Schlösser, die er auch im Film eindrucksvoll interpretierte. Später wirkte er auch als Regisseur am Düsseldorfer Schauspielhaus, dessen stellvertretender Direktor er 1919/20 zusammen mit Fritz Holl wurde. 1921 hatte er auch zeitweise die  Leitung des Berliner Schlossparktheaters inne, dessen Mitbegründer er war.

1915

wurden auf Druck der Obersten Heeresleitung die Bauarbeiten abgeschlossen, so dass bis zu 2500 Arbeiter vorwiegend Granaten und Geschützteile fertigen konnten. Das bis heute bestehende Edelstahlwerk führte zum Zuzug vieler Beschäftigter und machte besonders nach dem Zweiten Weltkrieg die Errichtung von Werkswohnungen für annähernd 3000 Bewohner im Süden Büderichs erforderlich.

Römische Siedlung nahe Gärtnerei-Betrieb vermutet

Grabungsfunde sind aus Rathaus verschwunden

"Etwa 1.400 Meter nordwestlich der Kirche von Heerdt wurde beim Bau eines Hauses ein mit Dachziegeln umstelltes römisches Grab zerstört." Aufgrund dieses kleinen Absatzes aus einem Heft der Bonner Jahrbücher von 1937 mussten die Meerbuscher Stadtplaner annehmen: Im Bereich des Gärtnerei-Betriebes Bogie an der Düsseldorfer Straße in Büderich könnte eine römische Grabstätte oder gar Siedlung liegen.

Für Archäologen eine freudige Nachricht. Josef Bogie, der seinen Betrieb vor etwa zwei Jahren an dieser Stelle erweitern wollte, war jedoch nicht begeistert: "Baumaßnahmen auf diesem Stück sind nur dann möglich, wenn sie archäologisch begleitet werden. Wir haben uns entschlossen, vorerst nicht hier zu bauen." "Funde dieser Art sind im Rheinland nicht ungewöhnlich", weiß Reinhard Lutum, Denkmalpfleger der Stadt Meerbusch.

"Besonders die Kölner sind mit dieser Problematik vertraut." Aber auch in Meerbusch und Umgebung sind Archäologen bereits fündig geworden. In den 60er Jahren entdeckten sie bei Haus Meer einen bebauten Hügel ("Motte"). Lutum: "Hier wurden sogar Haus- und Kleidungsreste gefunden." Sie sind derzeit im Museum Burg Linn in Krefeld ausgestellt und voraussichtlich Ende 2001, nach Abschluss von Umbauarbeiten, im Rheinischen Landesmuseum in Bonn zu sehen.

Die Größe des römischen Bestattungsplatzes an der Düsseldorfer Straße könne zur Zeit nicht näher bestimmt werden, so Lutum. "Die Lage unweit der antiken Straßenverbindung zwischen den römischen Lagern von Neuss und Krefeld, der Limes-Straße, unterstreicht in jedem Fall die Erwartung eines Siedlungsplatzes in der Umgebung des Grabfundes", heißt es in einem Gutachten der Stadt Meerbusch.

Im ersten Jahrhundert nach Christus verbrannten die Römer ihre Toten. Am Rande von Städten, Siedlungen und Lagern entstanden Gräberfelder. Die Römer glaubten, dass ihre Verstorbenen im Jenseits ähnliche Bedürfnisse wie die Lebenden im Diesseits hätten. Deshalb gaben sie ihnen Beigaben wie Speisen, Getränke, Geschirr oder Geld mit ins Grab.

Verschiedene Keramikgefäße und eine kleine Glasflasche sind 1934 auch aus der von Dachziegeln eingefassten Grube in Büderich geborgen und auf dem Bürgermeisteramt aufbewahrt worden. Das schreibt Theodor Hellmich in seiner "Geschichte Büderichs". "Leider sind diese Gegenstände heute nicht mehr auffindbar", bedauert Reinhard Lutum.

1916 - 1920

Der Architekt Edmund Körner baute für den Industriellen Reinhold Becker  in der Gartenstadt Meererbusch (heute sind nur noch nur zwei Nebengebäude erhalten) die Villa Marein.

Der Stahlmagnat hat das Schlossähnliche Herrenhaus bauen lassen, damit die rheinischen Industriellen Kaiser Wilhelm II. nach dem Sieg im Ersten Weltkrieg einen rauschenden Empfang hätten bereiten können – so erzählt man zumindest.

Das Stahlwerk Becker wurde zwischen 1908 und 1918 errichtet. Einige Kilometer westlich, auf einem zunächst 80.000 qm großen Areal am Willicher Güterbahnhof baute er sein  Stahlwerk auf. Der ehemalige kaufmännische Direktor des Krefelder Stahlwerks war sich im Juni 1908 mit dem Willicher Gemeinderat so schnell einig geworden, dass er schon im November die Stahlwerk Becker AG eintragen lassen und umgehend mit dem Bau der notwendigen Werkshallen mit Wasserwerk und Wasserturm beginnen konnte.

Die 1914 nach dem Erfinder benannte „Becker-Kanone“ wurde in Willich entwickelt. Sie war eine automatische Kanone für 20 x 70 mm Geschosse. Aus Geheimhaltungsgründen wurden in Preußen Waffen nicht patentiert. Die Becker-Kanone wurde 1919 für die Maschinenbau AG Seebach (SEMAG) bei Oerlikon-Bührle zum Patent angemeldet. Es handelte sich um einen Rückstoßlader mit unverriegeltem Masseverschluss, der auch als bewegliche Kanone in schwere Flugzeuge eingebaut wurde. Auf ein Dreibein montiert wurde sie gegen Panzer und Flugzeuge eingesetzt. Sie wurde von Hand gerichtet, das Magazin fasste zwölf Schuss. Während des ersten Weltkrieges wurde sie ausschließlich von Truppen des Deutschen Reichs eingesetzt.
Durch die hohe Qualität des erzeugten Stahls wurden die Werke schnell bekannt. Die Firma expandierte erheblich, begünstigt durch enorme Gewinne während des Ersten Weltkriegs. Obwohl Becker als Finanzgenie galt und im Jahre 1918 noch die Reinholdhütte in Krefeld- Linn gründete, ging es Anfang der 1920er Jahre mit dem Stahlwerk wirtschaftlich bergab - beschleunigt durch den frühen Tod Beckers im Jahre 1924. Die Erben verkauften 1928 an ein Konsortium der Ruhrstahlgemeinschaft; das das Werk „aus Konjunkturgründen" bald stilllegte. Im Jahr  1929/30 folgte die wirtschaftlich bedingte Schließung. Das Kriegsende und die Folgen des Versailler Vertrags verschlechterten die wirtschaftlichen Grundlagen drastisch.

1923

Die Büdericher Christen feierten ihre Gottesdienste in den Räumen von Haus Meer, welches bis dato von der Familie von der Leyen bewohnt wurde.

1940 11 07

die ersten Bomben in Büderich fielen im Bereich Grün- und Gartenstrasse.

1940

in der Gaststätte Hartz, Necklenbroicher Strasse waren ca.40 Gefangene untergebracht

Weil die Engländer das Böhler Werk als eine kriegswichtige Produktionsstätte einschätzten, wurde Büderich oftmals zum erklärten Luftziel.

1941 06 03

in der Bäckerei Kuhlen Dorfstrasse ( heute Wieler ) kamen 4 Personen, darunter 3 Kinder bei einem schweren Luftangriff ums Leben.

1941 06 13

ein erneuter Luftangriff traf die Ziegelei bei Haus Meer, Haus Schackum und den Eisenbrand.

1942

in einem Lager ( Stalag VI J ) eine unbekannte Zahl französischer Gefangener

1942 08 01

bei einem Großangriff auf Düsseldorf wurden neben mehreren anderen Häusern die Gastwirtschaft „Deutsches Eck“ zerstört.

1943 08 23

Das Schloss Meer ist bis auf  Förster- und Kutscherwohnung und Stallungen, nach einem Luftangriff völlig ausgebrannt.

1943

Auf dem Gelände des Böhler-Werks ( Franz-Seldte-Strasse / heute Ost Strasse) wird ein Lager mit 300 russischen Zwangsarbeitern erwähnt, auch auf der Krefelder Strasse 125 werden 1944 Ostarbeiter untergebracht. Hinsichtlich des Böhler-Werks muss man allerdings von wesentlich mehr Fremdarbeitern ausgehen.
Wer das Böhler-Gelände betritt, dem fällt sofort der weiße, raketenförmige Kegel ins Auge, der sich über die alten Fabrikhallen hinweg in den Himmel reckt. Ein alter Wassertank, vermutet man. Weit gefehlt. Bei dem "Zuckerhut" handelt es sich um den ehemaligen Luftschutzbunker für Böhler-Mitarbeiter, der auf fünf Stockwerken 95 Personen Schutz bot. Bomben sollten von diesen überirdischen, in eisenarmer Bauweise errichteten Hochbunkern regelrecht abprallen. "Und das hat sogar funktioniert".

Büderich ist günstig zu Neuss und Düsseldorf gelegen und wurde schon früh Wohn- und Zufluchtsort für großstadtmüde Düsseldorfer, Neußer und Krefelder, die dann als Pendler in den umliegenden Großstädten arbeiteten. Die Zahl der Millionäre in Büderich soll laut Statistiken auch hoch über dem Bundesdurchschnitt liegen (man spricht von der Ansiedlung der meisten Millionäre in Deutschland). Büderich ist der "nobelste" Meerbuscher Stadtteil, der durch Flair, wunderschöne Natur und perfekte Großstadtanbindung besticht.

Auf der Dorfstraße und den umliegenden Einkaufsstraßen haben sich Einzelhändler angesiedelt, die ein umfassendes und hochwertiges, teilweise exquisites Sortiment anbieten. Ein Einkaufsbummel lohnt sich allemal.

Schade nur, dass die Hauptstraßen in Büderich zu einem Durchfahrtort geworden sind. Seit Jahren kämpfen erbittert die Befürworter und Gegner für bzw. gegen eine Umgehungsstraße, die die Verkehrssituation entlasten, jedoch viel von der schönen Natur zerstören würde.

An der Dorfstrasse findet man den Spätromanischer Kirchturm der alten, 1891 durch Brand zerstörten Büdericher Pfarrkirche St. Mauritius, erbaut um 1200, seit 1959 Mahnmal für die Kriegstoten der Gemeinde Büderich. Innerhalb des Kirchturms hängt ein von Joseph Beuys (geb.1921 - gest. 1986) im Jahre 1959 als 'Auferstehungssymbol' bezeichnetes Kreuz aus Eichenholz. Beuys selbst hat die 3 Meter hohe und 2 Meter breite Skulptur nicht als Kreuz bezeichnet. Die geometrische Kreuzgestalt ist im Grundzug zwar gegeben, doch hat Beuys die starre Rechtwinklichkeit zweier sich schneidender Geraden in Bewegung versetzt. Das ebenfalls von Beuys geschaffene Eichentor für die Gefallenen der zwei Weltkriege ist von einfacher Machart. Der rechte Torflügel ist mit winzigen Kerben übersät. Mit tiefdringenden Stichen hat Beuys die Namen der 222 Büdericher Kriegstoten in alphabetischer Reihenfolge in das Holz gegraben.

Die Kirche St. Mauritius ist mit ihrer Kirchturmhöhe von 53 Metern das höchste Gebäude in Meerbusch.

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04.09.2011 14:21